Für Chefpilot Mario Agustoni ist der neue Helikopter ein leistungsstarkes und vielseitiges Einsatzwerkzeug. «Die Maschine ist sehr stabil in der Luft und überraschend einfach zu bedienen.» Diese intuitive Handhabung verschaffe den Piloten einen Vorteil: mehr mentale Kapazität. «Wir können uns noch stärker auf taktische Fragen konzentrieren: Wie positionieren wir den Helikopter im Gelände? Wie führen wir eine Windenoperation durch, wenn sich Blickwinkel und visuelle Referenzen verändern?»
Das moderne, digitale Cockpit, die verbesserte Sicht nach aussen, welche durchgehend eine aufrechte Sitzposition zulässt, und die ergonomische Anordnung der Instrumente sorgen für ein erweitertes Situationsbewusstsein: «Man hat beinahe eine 360-Grad- Übersicht.» «Die grosse Nutzlast macht Einsätze in der dünnen und weniger tragfähigen Luft in alpinen Höhen noch sicherer und gibt uns genügend Reserven – gerade bei anspruchsvollen Einsätzen: für zusätzliche Personen wie Angehörige der Patienten oder Rettungsspezialisten der Alpinen Rettung Schweiz, die uns in schwierigem Gelände unterstützen, aber auch für medizinische Ausrüstung.» Bereits im Mai 2025 bewies der H145 D3 seine Hochgebirgstauglichkeit: Zwei blockierte Kletterer wurden auf rund 3300 Metern über Meer an der Winde aus der Eiger-Nordwand gerettet – ohne vorgängige Gewichtsreduktion durch Materialausladung. «Solche Einsätze zeigen, welches Potenzial in der Maschine steckt.»
Die Umstellung von Rädern auf Kufen erfordert ein Umdenken. «Kufen erlauben es, gezielt Hanglagen zu nutzen oder nur eine Kufe aufzusetzen für ein rasches Ein- oder Aussteigen – ein klarer Vorteil in steilem Gelände.» Erfahrung ist hier zentral: «Wir lernen mit jedem Einsatz dazu. Alle Abläufe sind dokumentiert, wir erlernen sie in der Ausbildung. Aber beim neuen Helikopter ist es wie bei einer neuen Wohnung: Man muss sich umgewöhnen, sich erst orientieren, wissen, wo was ist.»
Die Neuerungen verlangen Zeit, Training und Geduld. «Für uns alle gilt: Routine entsteht nicht über Nacht.» Entsprechend investierte die Rega in Ausbildung und Umschulung. Diese erfolgte schrittweise und eng getaktet. «Es war ein anspruchsvoller Prozess, aber die Motivation war hoch.» Die Umschulung der Crews findet jeweils vor der Übergabe eines neuen Helikopters an eine Basis statt. «Am Tag der Übergabe wird im Wesentlichen nur das Material umgeräumt – und der Betrieb läuft nahtlos weiter.»
«Dass wir diesen Wechsel schaffen, ohne eine Basis auch nur für eine Stunde zu schliessen oder in der Hochsaison einen zusätzlichen Helikopterdienst zu streichen, darauf sind wir stolz.» Möglich sei das nur dank des grossen Engagements der Fluglehrer, Instruktorinnen und Instruktoren sowie Mechanikerinnen und Mechaniker und weil die Rega über ausreichend Fluggeräte und Personal verfüge, um den Übergang sorgfältig zu planen und vorzubereiten.
Trotz der Begeisterung bleibt auch etwas Wehmut. «Der Da Vinci hat uns 16 Jahre begleitet. Jede Ecke, jedes Verfahren war uns vertraut. Aber mit dem H145 D3 beginnt etwas Neues für uns alle – und genau das macht diesen Moment so besonders.»