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Jahresbericht 2025
Der bisherige Rettungshelikopter Da Vinci und der neue H145 D3 auf der Rega-Basis Locarno

Im Fokus

Vom Da Vinci zum H145 D3 – eine neue Ära

Nach 2025 steht für die Rega auch 2026 im Zeichen der grössten Umflottung ihrer Geschichte. Der neue Rettungshelikopter bringt technologische Fortschritte und neue Arbeitsabläufe – und erfordert eine intensive Umschulung der Crews. Ziel bleibt, Menschen in Not schnell, sicher und bestmöglich zu versorgen.

Nachdem im Vorjahr die Mittellandbasen den neuen Rettungshelikopter H145 D3 in Dienst genommen hatten, war Ende März 2026 die Basis Locarno an der Reihe. Sie war die erste «Gebirgsbasis», die vom AgustaWestland Da Vinci auf die neue Maschine wechselte. Der H145 D3 wird zum neuen Rückgrat der Luftrettung der Rega, auch in den Bergregionen. Die Umflottung auf den H145 D3 ist ein organisatorisches Grossprojekt, das sich über mehrere Jahre erstreckt. Dessen Komplexität zeigt sich nicht zuletzt in der Vielzahl der beteiligten Personen und Funktionen. Je nach Phase sind praktisch alle Bereiche der Rega betroffen: von der Instandhaltung und dem Engineering über die Instruktorenteams, die Einsatzplanung und die Logistik bis zu den Crews auf den Einsatzbasen.

Die gesamte Flottenumstellung ist eng an die Auslieferungskadenz des Herstellers gekoppelt. Darauf basieren die Einbauten der medizinischen Ausrüstung, die Umschulungen der Crews, die Übergabe an die Einsatzbasen sowie parallel die schrittweise Ausserbetriebnahme der bisherigen Flotte. Hinter jedem Planungsschritt stehen Menschen, Dienstpläne und operative Verpflichtungen. Während im Hintergrund geplant und die Crews jeder Basis geschult werden, bleibt eines unverändert: Die Rega ist rund um die Uhr einsatzbereit. Schulung und Einsatzbetrieb laufen parallel – ohne Einbussen bei der Versorgung der Bevölkerung.

Was passiert mit den Da Vinci?

Die bisher eingesetzten Rettungshelikopter des Typs AgustaWestland Da Vinci werden schrittweise aus dem Betrieb genommen und verkauft. Sie haben 16 Jahre lang die Schweizer Luftrettung – vor allem in alpinen Regionen – geprägt und bleiben ein wichtiger Teil der Rega-Geschichte.

Mehr als ein neues Fluggerät

Der Wechsel ist weit mehr als der Austausch eines Helikopters, er steht exemplarisch für das Selbstverständnis der Rega. Technik ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um Sicherheit, Qualität und medizinische Versorgung weiterzuentwickeln.

Der neue Rettungshelikopter schafft auch die Basis für künftige Innovationen: Als weltweit erstes Modell wird er für die Navigationsgenauigkeit von RNP AR 0,1 zugelassen. Ein Inertial Navigation System (INS) dient dabei als Back-up und hält selbst bei einem GPS-Ausfall die Position über eine vordefinierte Zeit mit einer hohen Präzision aufrecht. Dadurch werden IFR-Verfahren nochmals präziser als bisher – etwa im Vergleich zu Helikoptern mit RNP 0,3. Diese Technologie ermöglicht es, künftig noch engere und tiefer gelegene Instrumentenflug-Korridore bei schlechten Sichtverhältnissen sicher zu nutzen – ein klarer Gewinn für die Versorgung von Patientinnen und Patienten.

Der Wechsel ist nicht nur ein technologischer Quantensprung, sondern auch ein intensiver Lernprozess für die Crews. Sie müssen sich auf ein neues Arbeitsumfeld vorbereiten. Eine grosse Erleichterung ist der eigene Helikoptersimulator. Piloten trainieren gemeinsam mit Rettungssanitätern und Rettungssanitäterinnen eine Woche lang realitätsnah Standardsituationen und Notverfahren. Innerhalb von zwei weiteren Wochen wird jeweils ein Team aus zwei Piloten, zwei Rettungssanitätern, mehreren Notärztinnen und  -ärzten sowie Rettungsspezialisten der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) vollständig auf der neuen Maschine ausgebildet.

Mit der Einheitsflotte schafft die Rega eine solide Basis für die Zukunft: für eine noch bessere medizinische Versorgung, für anspruchsvolle Einsätze bei Nacht oder schlechtem Wetter, für eine zuverlässige Luftrettung. Im Zentrum stehen dabei Menschen: jene, die im Notfall Hilfe benötigen – und jene, die mit Professionalität, Erfahrung und Teamarbeit dafür sorgen, dass diese Hilfe ankommt. Im Folgenden erzählen drei Crewmitglieder der Rega-Basis Tessin, wie sich dieser Wandel anfühlt und was er im Einsatzalltag verändert.

Ein Projekt von grosser Tragweite

Mit 14 über das ganze Land verteilten Einsatzbasen stellt die Rega die medizinische Grundversorgung aus der Luft rund um die Uhr sicher. Bis Ende 2026 werden insgesamt 21 neue Airbus-Helikopter des Typs H145 D3 die bisherige Flotte ablösen. Künftig setzt die Rega damit auf eine Einheitsflotte – mit klaren Vorteilen für Ausbildung, Wartung und Logistik. Auf neun Einsatzbasen steht der H145 D3
bereits im Einsatz (Stand April 2026), die weiteren fünf folgen bis Ende 2026.

«Der Einsatzablauf bleibt gleich – aber die Art, wie wir ihn fliegerisch umsetzen, verändert sich.»

Mario Agustoni, Helikopterpilot und Leiter Helikopter Verfahren und Training

Für Chefpilot Mario Agustoni ist der neue Helikopter ein leistungsstarkes und vielseitiges Einsatzwerkzeug. «Die Maschine ist sehr stabil in der Luft und überraschend einfach zu bedienen.» Diese intuitive Handhabung verschaffe den Piloten einen Vorteil: mehr mentale Kapazität. «Wir können uns noch stärker auf taktische Fragen konzentrieren: Wie positionieren wir den Helikopter im Gelände? Wie führen wir eine Windenoperation durch, wenn sich Blickwinkel und visuelle Referenzen verändern?»

Das moderne, digitale Cockpit, die verbesserte Sicht nach aussen, welche durchgehend eine aufrechte Sitzposition zulässt, und die ergonomische Anordnung der Instrumente sorgen für ein erweitertes Situationsbewusstsein: «Man hat beinahe eine 360-Grad- Übersicht.» «Die grosse Nutzlast macht Einsätze in der dünnen und weniger tragfähigen Luft in alpinen Höhen noch sicherer und gibt uns genügend Reserven – gerade bei anspruchsvollen Einsätzen: für zusätzliche Personen wie Angehörige der Patienten oder Rettungsspezialisten der Alpinen Rettung Schweiz, die uns in schwierigem Gelände unterstützen, aber auch für medizinische Ausrüstung.» Bereits im Mai 2025 bewies der H145 D3 seine Hochgebirgstauglichkeit: Zwei blockierte Kletterer wurden auf rund 3300 Metern über Meer an der Winde aus der Eiger-Nordwand gerettet – ohne vorgängige Gewichtsreduktion durch Materialausladung. «Solche Einsätze zeigen, welches Potenzial in der Maschine steckt.»

Die Umstellung von Rädern auf Kufen erfordert ein Umdenken. «Kufen erlauben es, gezielt Hanglagen zu nutzen oder nur eine Kufe aufzusetzen für ein rasches Ein- oder Aussteigen – ein klarer Vorteil in steilem Gelände.» Erfahrung ist hier zentral: «Wir lernen mit jedem Einsatz dazu. Alle Abläufe sind dokumentiert, wir erlernen sie in der Ausbildung. Aber beim neuen Helikopter ist es wie bei einer neuen Wohnung: Man muss sich umgewöhnen, sich erst orientieren, wissen, wo was ist.»

Die Neuerungen verlangen Zeit, Training und Geduld. «Für uns alle gilt: Routine entsteht nicht über Nacht.» Entsprechend investierte die Rega in Ausbildung und Umschulung. Diese erfolgte schrittweise und eng getaktet. «Es war ein anspruchsvoller Prozess, aber die Motivation war hoch.» Die Umschulung der Crews findet jeweils vor der Übergabe eines neuen Helikopters an eine Basis statt. «Am Tag der Übergabe wird im Wesentlichen nur das Material umgeräumt – und der Betrieb läuft nahtlos weiter.»

«Dass wir diesen Wechsel schaffen, ohne eine Basis auch nur für eine Stunde zu schliessen oder in der Hochsaison einen zusätzlichen Helikopterdienst zu streichen, darauf sind wir stolz.» Möglich sei das nur dank des grossen Engagements der Fluglehrer, Instruktorinnen und Instruktoren sowie Mechanikerinnen und Mechaniker und weil die Rega über ausreichend Fluggeräte und Personal verfüge, um den Übergang sorgfältig zu planen und vorzubereiten.

Trotz der Begeisterung bleibt auch etwas Wehmut. «Der Da Vinci hat uns 16 Jahre begleitet. Jede Ecke, jedes Verfahren war uns vertraut. Aber mit dem H145 D3 beginnt etwas Neues für uns alle – und genau das macht diesen Moment so besonders.»

Rega-Crewmitglieder und Instruktoren neben Rettungshelikopter auf dem Landeplatz der Rega-Basis Locarno.
Rega-Crewmitglieder und Instruktor beim Rettungshelikopter auf der Basis Locarno
Der bisherige Rettungshelikopter Da Vinci und der neue H145 D3 auf der Rega-Basis Locarno
Rettungssanitäter und Instruktor beim Rega-Helikopter

«Wir beginnen alle am selben Punkt – das verbindet. Und am Ende profitieren alle davon.»

Amos Brenn, Rettungssanitäter und Leiter der Basis Locarno

Als Rettungssanitäter ist Amos Brenn das Bindeglied zwischen Aviatik, also dem Piloten, und Medizin, sprich der Notärztin. «Wir sorgen dafür, dass Cockpit und Kabine reibungslos zusammenspielen.» Mit dem neuen Helikopter ändern sich genau an dieser Schnittstelle Abläufe, Handgriffe und Perspektiven. Besonders deutlich wird das bei Windeneinsätzen: «Die Rettungswinde befindet sich nun auf der linken Seite. Ich bediene sie aussen auf der Kufe stehend und habe einen anderen Blickwinkel als der Pilot. Beim Da Vinci war er identisch. Dadurch wird die Kommunikation zwischen mir und dem Piloten noch wichtiger.»

Gleichzeitig bringt die neue Konfiguration spürbare Erleichterungen im Einsatz: «Mit dem Da Vinci mussten wir landen, um vom Cockpit nach hinten in die Kabine zu gelangen. Jetzt können wir direkt nach draussen und die Rettungswinde bedienen. Das spart Zeit – ein entscheidender Faktor, wenn jede Minute zählt.» Dasselbe trifft aufs Cockpit selbst zu, wo der Rettungssanitäter den Piloten beim Navigieren unterstützt: «Ich kann auf meinem Bildschirm dieselbe Anzeige wie der Pilot aufschalten. So lassen sich Parameter bequemer überprüfen und bestätigen; bei einem Flug nach Instrumenten zum Beispiel.»

Neu ist zudem, dass der Patient oder die Patientin nicht mehr seitlich, sondern von hinten mit der Roll-in-Trage ein- und ausgeladen wird – eine scheinbar kleine Veränderung, die jedoch im Einsatzalltag ergonomische und organisatorische Vorteile bringe. Als Basisleiter erlebt Brenn die Umstellung nicht nur operativ, sondern auch organisatorisch. «Wir Tessiner absolvierten die Umschulung gemeinsam mit der Crew der Basis Erstfeld. Das erforderte viel Abstimmung und Flexibilität – aber es hat sehr gut funktioniert.» «Für uns Crews der Gebirgsbasen sind die Umschulungen umfassender als auf den Mittellandbasen, die das Vorgängermodell bereits kannten.» Entscheidend sei dabei das Engagement aller Beteiligten – und das gemeinsame Verständnis, Sicherheit und Qualität immer an erste Stelle zu setzen.

Dass Locarno als erste Da-Vinci-Basis den Wechsel vollzogen hat, erfüllt Brenn mit Stolz. «Es ist eine grosse Verantwortung, die wir ernst nehmen.»

«Die medizinische Versorgung wird neu gedacht.»

Anna Brunnello, Notärztin

Für Anna Brunello zeigt sich der Wandel vor allem in der Kabine. Sie bietet deutlich mehr Platz und eine optimierte Anordnung von medizinischem Material und Geräten. «Notfallversorgung in einer Helikopterkabine ist äusserst anspruchsvoll. Zusätzliche Bewegungsfreiheit und verbesserte Ergonomie tragen wesentlich zu mehr Sicherheit und einer höheren Behandlungsqualität bei.» «Bestimmte medizinische Massnahmen – etwa die Versorgung mit besserem Zugang zu den Atemwegen, das Legen eines Venenzugangs oder der Einsatz von Ultraschall – dürften unter diesen Bedingungen noch einfacher möglich sein.»

Auch scheinbar kleinere Faktoren haben medizinisch eine grosse Wirkung: «Weniger Vibrationen, weniger Lärm und die verbesserten Heizungsmöglichkeiten bedeuten nicht nur für die Crew, sondern auch für die Patienten mehr Komfort.» Neu ist auch die Möglichkeit, medizinische Erstversorgung geschützt und an der Wärme im Helikopter am Boden oder in der Luft durchzuführen. «Mit dem Da Vinci fand vieles draussen statt – bei Kälte, Wind oder Schnee.»

Aus medizinischer Sicht ist zudem die hohe Nutzlast des neuen Rettungshelikopters von grosser Bedeutung – und damit auch die dadurch wegfallenden Zwischenlandungen. «Wir erreichen Patientinnen und Patienten noch schneller. Das kann bei bestimmten Krankheitsbildern entscheidend für den Behandlungserfolg sein.» Ausserdem ermöglicht der H145 D3 den Transport von Patientinnen und Patienten, die auf eine Herz-Lungen-Maschine angewiesen sind – wie dies bereits seit Jahren mit den Rettungshelikoptern der Mittellandbasen möglich ist. Ebenso findet der Transportinkubator für frühgeborene Babys einen geeigneteren Platz.

«Auch wir Notärztinnen und Notärzte waren gut auf diesen Wechsel vorbereitet. Im Februar absolvierten wir eine theoretische Umschulung, danach folgten drei intensive Tage auf der Basis Locarno», sagt Anna
Brunello. Zuerst lernten sie am Boden die neue Kabine kennen. Anschliessend wurden Routineabläufe beim Ein- und Aussteigen sowie Einsätze mit der Rettungswinde geübt.

Der neue Helikopter bringt auch Umgewöhnung mit sich: «Die neue Kabinenkonfiguration trennt Kabine und Cockpit etwas stärker. Kommunikation und Teamarbeit bleiben gleich – trotzdem ist es etwas anders als bisher.» Mit Blick nach vorne sagt sie: «Ich freue mich auf die kommenden Einsätze und erwarte viele Wow-Momente. Teil dieses Wandels zu sein, macht mich stolz.»

Leistungsstark und technisch ausgereift

Der neue Rega-Helikopter ist leistungsstärker als die bisherigen Rettungshelikopter und vereint moderne Avionik, Vier-Achsen-Autopilot und hoch präzise satellitengestützte Anflugverfahren.

Kabine für bestmögliche Patientenversorgung

Die grössere Kabine bietet maximale Flexibilität, auch für intensivmedizinische Spezialtransporte – etwa mit einer Herz-Lungen-Maschine oder einem Transportinkubator für Frühgeborene. Damit die Crew den Platz in der Kabine optimal für die medizinische Versorgung nutzen kann, wurden gemeinsam mit der Firma Aerolite Verbesserungen entwickelt, getestet und ausgearbeitet. So ermöglicht ein neu angeordnetes Aufbewahrungssystem für medizinisches Material noch mehr Übersicht.